Moment mal - wer spricht da?
- beatrixzacheiss
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

„180 Euro für eine Bluse? Bist du verrückt?"
Der Gedanke ist schneller da, als ich überhaupt darüber nachdenken kann, ob mir die Bluse gefällt und ob sie mir wirklich 180 Euro wert ist.
Solche Momente finde ich inzwischen ziemlich interessant. Denn irgendwann habe ich angefangen, mich zu fragen:
Ist das gerade wirklich mein Gedanke?
Das klingt zunächst ein bisschen seltsam. Schließlich denke ich ihn. Er ist in meinem Kopf. Wo soll er also sonst herkommen?
Aber wir hören unser ganzes Leben lang Sätze und Meinungen von anderen Menschen. Manche vergessen wir sofort, andere bleiben hängen, ohne dass wir noch wissen, wann und wo wir sie zum ersten Mal gehört haben.
Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Lehrerin auf der Realschule. Sie sagte mir immer wieder, ich solle lieber zurück auf die Hauptschule gehen, bevor es zu spät sei und ich dort den Anschluss verpasse.
Die Lehrerin ist längst aus meinem Leben verschwunden,. Ihr Satz nicht.
Und es muss gar nicht immer einen so konkreten Satz geben. Bei den 180 Euro für die Bluse könnte ich mit einer bestimmten Vorstellung über Geld aufgewachsen sein. Irgendwann hörei ch nicht mehr, wer solche Dinge früher gesagt hat. Ich sage sie mir selbst.
Gerade lese ich immer noch Das Evangelium nach Jesus Christus von José Saramango. An einer Stelle bin ich wieder hängen geblieben.
Josef wird nach den Ereignissen in Bethlehem über Jahre von einem Albtraum verfolgt. Nach seinem Tod beginnt Jesus denselben Traum zu haben, ohne zu wissen, woher er kommt. Erst später erfährt er von Maria, was damals geschehen ist und warum sein Vater diesen Traum hatte.
Natürlich ist das ein Roman. Trotzdem hat mich diese Geschichte auf eine Frage gebracht: Wie viel tragen wir mit uns herum, ohne noch zu wissen, wo es einmal angefangen hat?
Das kann ein Satz sein, den wir oft gehört haben, eine Meinung über Geld, eine Vorstellung davon, was sich gehört oder eine Einschätzung darüber, was wir können und was nicht.
Irgendwann ist niemand mehr nötig, der uns das von außen sagt. Wir sagen es uns selbst.
Und genau dort wird es für mich interessant. Denn nur weil ein Gedanke schon lange in meinem Kopf ist und sich vertraut anhört, muss er noch lange nicht wahr sein. Und er muss auch nicht mehr zu dem passen, was ich heute denke.
Meine ziemlich geschäftige Stimme im Kopf hat übrigens einen Namen: Adelheid.
Adelheid weiß meistens sehr schnell, was zu teuer ist, was schiefgehen könnte und was ich besser lassen sollte. Und wenn sie zu laut wird, sage ich ihr durchaus auch einmal: „Adelheid jetzt halt mal deinen Mund."
Nicht weil alles falsch ist, was sie sagt. Manchmal hat sie schlicht recht. Ich möchte nur nicht automatisch alles glauben, was sie mir erzählt.
Bei der Bluse könnte ich am Ende also zu genau demselben Ergebnis kommen wie vorher: Ich kaufe sie nicht, weil mir 180 Euro dafür zu viel sind. Der Unterschied ist nur: Dann habe ich entschieden.
Impuls für den September
Achte in den nächsten Tagen einmal auf einen Gedanken, der sehr schnell da ist.
„Das kann ich nicht."
„Das ist viel zu teuer."
„Was sollen die anderen denken?"
„Das macht man nicht!"
Versuche gar nicht sofort herauszufindebn, woher der Gedanke kommt. Halt erst einmal kurz inne und hör hin.
Denke ich das heute wirklich so?
Oder ist dieser Satz scho so lange in meinem Kopf, dass ich ihn nie mehr hinterfragt habe?
Mantra für den September
Ich entscheide selbst, was ich glaube.



Kommentare